Die letzten zwei Wochen hatte ich Ferien und es war recht durchwachsen. Es gab viele Tage, an denen ich es geschafft habe, nicht zu erbrechen und sogar relativ normal zu essen. Dann auch wieder dunkle Tage, an denen Fressen und Kotzen fast zur Hauptbeschäftigung wurde und ich noch nicht mal das Haus verließ.
Ich habe festgestellt, dass meine Freundin Paulina mir so richtig gut tut. Bei ihr habe ich vier Tage gewohnt, da sie sturmfrei hatte. Sie isst komplett normal - es ist richtig faszinierend für mich. Und ich meine wirklich richtig, 100%-ig normal. Das Wort ,Diät' scheint in ihrem Wortschatz nicht einmal zu existieren. Jede, aber wirklich jede meiner Freundinnen hat schon mal irgendwas gesagt, was sich auf Kalorien, Gewichtsverlust etc. bezog - nur sie nicht. Und sie ist gertenschlank. Aber das ist für mich keine Überraschung mehr. Wenn man normal isst, hat man auch ein gutes, gesundes und schlankes Set-Point-Gewicht.
Und sie tut mir nicht nur in dieser Hinsicht gut: sie ist so furchtbar angenehm... Sie urteilt nicht über einen. Für sie bist du einfach du, und du bist gut so, wie du bist.
Wir waren ein paar Mal auch mit Jungs in einer Bar oder bei ihr zuhause, mit denen ich bisher nur wenig Kontakt gehabt hatte, aber die fast ebenso angenehm sind. Vielleicht werde ich an meinen Wochenenden ja nun mehr mit diesen Menschen verbringen und nicht mehr anderen hinterherrennen, von denen ich wünschte, sie würden mich beachten. Das ist verdammt noch mal so richtig ungesund.
Jedenfalls: da ich gerne mehr Zeit mit ihr verbringen möchte und es außerdem für extrem wichtig halte, sich etwas zu suchen, auf dass man sich anstatt seines Körpers und Gewichts konzentrieren kann, damit diese Dinge unwichtig werden und in den Hintergrund treten, gehen Paulina und ich morgen zu einer Probestunde Hip Hop/Streetdance. :) Ich hatte da irgendwie schon immer Lust drauf, und warum nicht? So schlage ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Davor habe ich dann noch Therapie. Ich glaube, der Tag wird gut. Und ich muss mich diese Woche um meine Bewerbungen fürs Camp America kümmern bzw. alles weitere planen, was ich in meinem Jahr zwischen Schule und Uni machen möchte. Bisher hatte ich immer das Gefühl, dass mein Leben mit dem Erhalt des Abiturs vorbei ist. Ja, wirklich. Als trete eine große Schwärze an alles, was normalerweise nach Beendigung der Schule kommt. Als hätte mein Leben lediglich darin bestanden, die Schule zu besuchen und sie abzuschließen. Ich wusste nie genau, inwiefern es "vorbei" sein, also ob ich sterben würde oder so. Aber jetzt schmiede ich konkrete Pläne und bin irgendwie auch froh, einen neuen Lebensabschnitt beginnen zu können. Und dafür brauche ich ein gesundes Essverhalten!
Ich habe übrigens ,,Das schwere Los der Leichtigkeit" von Portia de Rossi gelesen, der Hollywood-Schauspielerin und Frau von Ellen DeGeneres. Vielleicht habt ihr schon mal davon gehört oder es selbst gelesen? Sie berichtet darin über ihre jahrelange Bulimie und Anorexie und auch, wie sie wieder gesund geworden ist (ihr Prozess entspricht quasi zu 100% meinem! Aber dazu ein anderes Mal mehr).
Obwohl sie teils etwas hin- und herspringt und man vielleicht mal für einen kurzen Moment leicht verwirrt ist, finde ich das Buch sehr gut. Sie beschreibt intensiv den harten Umgang in Hollywood hinter den Kulissen, und man sieht vieles danach ganz anders. Außerdem geht es um ihre Homosexualität, die sie jahrelang geheim hielt. Besonders berührt hat mich ihr Epilog, bei dem ich weinen musste, um ehrlich zu sein. Sie hat dort sehr weise und wahre Worte gesprochen. Ich würde mich gerne in einem anderen Post noch mal darauf beziehen.Als nächstes liegt jetzt ,,Essen als Ersatz" von Geneen Roth bereit.
Aber jetzt muss ich noch ein bisschen was für die Schule tun und duschen.
Seid gut zu euch und habt einen schönen Sonntagabend sowie einen guten Start in die Woche! Ich denk an euch. :*
